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Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


Blitzstart in Amerika. Salters Vorstellung in "Advertising Arts", Mai 1935

Veröffentlicht am 12.05.2017

Nachdem er von Mai 1933 bis Oktober 1934 zunehmend beschäftigungslos in Baden-Baden ausgeharrt hatte, konnte Georg Salter in die Vereinigten Staaten ausreisen. Durch die Unterstützung von Bruder Stefan sowie Freunden und Kennern seiner Arbeit gelang Salter in der Emigration ein außerordentlich erfolgreicher Start. "Ich kam hier an und war, ganz gegen meiner Absicht und Erwartungen, begeistert, sowie ich New York von der Ferne sah", erinnerte sich Salter 30 Jahre später in einem Brief an Joseph Breitbach. "Das hat sich nie verändert. Die Verleger hier waren außerordentlich nett zu mir. Meine Ankunft war an einem Freitag. Am nächsten Montag fing ich an zu arbeiten. Einen Tag später hatte ich zehn Aufträge von Simon und Schuster. Knopf und andere Verleger kamen nach etwa einem Monat dazu."

Ein halbes Jahr nach seiner Ankunft erfuhr Salter bereits die erste öffentliche Würdigung in der renommierten Fachzeitschrift "Advertising Arts", bald darauf folgte ein Beitrag im "Production Manager". "Eines Tages wird amerikanisches Design seinen Einfluss genauso weltweit verbreiten, wie das heute schon beim Film und im Jazz der Fall ist", konstatierte ein Autor N.G.H (vermutlich Nathan George Horwitt (1898-1990)). "Gegenwärtig werden wir aber noch von Künstlern aus dem Ausland angeregt. Zur langen Liste der Bernhard, Urban, Agha, Kiesler, Brodovitch ist nun hinzuzufügen - der Name von Georg Salter."

N.G.H., Salter, in: Advertising Arts, H.3 (1935), S. 34-36N.G.H., Salter, in: Advertising Arts, H.3 (1935), S. 34-36

 

Salters erste Vorstellung erfolgte so frühzeitig, dass sieben der zehn schwarzweiß reproduzierten Arbeitsproben in "Advertising Arts" aus der Berliner Produktion stammten. Ausreichende Belege aus den ersten New Yorker Monaten waren offenbar schlicht noch nicht vorhanden. Bereits in den ersten Arbeiten signierte Salter ohne den abgekürzten Vornamen, behielt aber noch die Druckschrift bei. Später sollte er zu einer Schreibschrift wechseln.

Obwohl Salters Start in ein neues Leben vergleichsweise reibungslos verlief, blieb der Verlust von Heimat, Muttersprache, Anerkennung und Besitz sowie die Sorge um nahe Angehörige zweifellos auch für ihn ein schwer erträgliches Schicksal. Einen deutlichen Beleg bieten etwa die beiden Porträts von Georg Salter aus den Jahren 1929 und 1935. Links ein selbstbewußt dreinblickender junger Mann mit vollen Gesichtszügen, rechts ein erheblich schmaleres Gesicht mit spitzem Kinn und skeptischem Blick.

 

Aufnahme Frieda Riess, um 1929Aufnahme Frieda Riess, um 1929 Aufnahme Alfred A. Cohn, 1935Aufnahme Alfred A. Cohn, 1935"Ich habe es mir abgewöhnt, an die deutsche Nacht zu denken", schrieb Salter mit dem Abstand von 30 Jahren. "Es ist grausig und absurd." (Georg Salter an Joseph Breitbach, 17.06.1964)