Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


Georg Salter beim Querido Verlag. Ein kurzes Intermezzo

Veröffentlicht am 18.09.2016

"Der Ausstattung der Bücher [bei Querido] wurde große Aufmerksamkeit gewidmet. [...] Der deutsche Verlag [...] wollte ihm nicht nachstehen. Meine ursprüngliche Absicht war es, unseren langjährigen künstlerischen Berater bei Kiepenheuer, Georg Salter, wiederzugewinnen. In der Tat hat er auch den Umschlag für 'Die Sammlung' entworfen. Er wanderte dann aber auf Einladung von H. Wolff, dem Inhaber einer der bedeutendsten Druckerei- und Bindereibetriebe [...] in New York [...] , nach den USA aus und machte sich dort sehr schnell einen großen Namen." (Fritz H. Landshoff, Erinnerungen eines Verlegers, Berlin und Weimar 1991, S.90)

Mit diesen Erinnerungen Fritz Landshoffs ist für Kenner des Buch- und Verlagswesens um 1930 eigentlich bereits alles gesagt. Fritz Helmut Landshoff war Miteigentümer des Kiepenheuer-Verlags gewesen und hatte nach dem Ende dieses Verlags und persönlicher Verfolgung in Deutschland mit dem niederländischen Verleger Emanuel Querido eine Tochtergesellschaft für deutschsprachige Exilliteratur gegründet. Der Querido-Verlag N.V. wurde der wichtigste Publikationsort des deutschen Exils.

Da sich die Produktion der Bücher verzögert hatte, erschien im September 1933 mit dem ersten Heft der "Sammlung" die überhaupt erste Publikation des neuen Verlags. Salter hatte dafür einen flächigen, dreiteiligen Umschlag mit gezeichneter Schrift entworfen, der bis zum Ende der Zeitschrift im August 1935 in Gebrauch blieb. Während der Farbteil der ersten sechs Hefte einheitlich taubenblau war, wechselten anschließend die Farben der einzelnen Hefte. Einen Hinweis auf den Gestalter sucht man vergebens. Salter lebte zu jener Zeit noch in Deutschland und wäre bei einer sichtbaren Verbindung mit der Exilzeitschrift wohl ebenso unter Druck geraten wie manche Autoren, die aus Rücksicht auf Familienangehörige oder mögliche Publikations- und Verdienstchancen im "Reich" ihre Mitarbeit öffentlich widerriefen (darunter auch Thomas Mann, der Vater des Herausgebers. Doch das ist eine andere Geschichte ...).

Dass Salter nicht in die Niederlande zu einem seiner bisherigen Hauptauftraggeber zog, sondern in die Vereinigten Staaten emigrieren konnte, verdankte er mehreren glücklichen Umständen. Erstens hatte er mit seinem Bruder Stefan ein Familienmitglied vor Ort, das ihm bei Einreise und Eingliederung behilflich sein konnte. Zweitens hatte sein Werk auch jenseits des Atlantiks bereits eine gewisse Bekanntheit und gab es Förderer wie Hellmut Lehmann-Haupt und Ernst Reichl, die für Salter warben und ihm Kontakte vermittelten. Im Vergleich zur Arbeit bei Querido waren auch die Verdienstmöglichkeiten weit besser. Während der holländische Exilverlag stets am Existenzminimum blieb und nur geringe Honorare zahlen konnte, rangierte Salter in New York bald unter den bestbezahlten Buchdesignern.

Fritz Landshoff und Georg Salter sahen sich in New York häufiger wieder. Nachdem Landshoffs spätere Frau zuvor schon zeitweise als Assistentin bei Salter gearbeitet hatte, floh Landshoff nach der deutschen Besetzung der Niederlande ebenfalls nach New York.