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Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


In der Welt des Vaters. Georg Salter, Stage-Architect

Veröffentlicht am 31.08.2016

Georg Salters Vater Norbert (Wien 1868-1935) hatte ursprünglich eine Karriere als Cellist verfolgt (unter anderem als Solo-Cellist des Städtischen Theaters in Bremen), bevor er sich auf der Basis der dabei entstandenen Kontakte zu einem international sehr erfolgreichen Konzert- und Theateragenten entwickelte. Durch den mangelnden wirtschaftlichen Erfolg des Schmiede-Verlags befand sich die Familie Salter um 1928 freilich in großer finanzieller Bedrängnis. Wegen Geldmangels konnten geplante Reisen nicht unternommen werden, obendrein sah sich Norbert Salter sogar gezwungen, beim Autographenhändler Henrici seine persönlichen Korrespondenzen mit Gustav Mahler und Max Reger versteigern zu lassen. Die Veröffentlichung eines "World Musical and Theatrical Guide, Edition 1929" durch Norbert Salter ist in diesem Kontext zu sehen.

Das Buch enthielt Daten über internationale Theater und Konzerthäuser sowie auf je einer Seite Porträts von Sängern, Instrumentalisten, Dirigenten und Bühnenbildnern mit Foto sowie Angaben zum künstlerischen Werdegang und zur betreuenden Agentur. Mit Blick besonders auf die Vereinigten Staaten verfolgte das Werk offenbar zwei Ziele: Einerseits sollten die verzeichneten, nicht selten von Salter gemanagten Künstler bekannt gemacht, andererseits speziell unter jungen amerikanischen Talenten neue Mandate geworben werden.

Der Guide nennt als Verlagsort New York und ist wohl auch in den USA gedruckt worden. Entscheidende Unterstützung für das Projekt erhielt Norbert Salter durch Sohn Stefan, der 1928 von London nach New York gezogen war und im Werk als "Assistant Manager" genannt ist. Ob Stefan Salter auch den Einband des Buches gestaltet hat oder dieser vielleicht in Europa durch Bruder Georg entworfen wurde, ließ sich bisher nicht feststellen. Klar ist, dass Norbert Salter weiter von Berlin aus tätig war.

Einen Gefallen hat Georg Salter seinem Vater indes definitiv erwiesen: Obwohl er mit seinem ersten Beruf damals bereits weitgehend abgeschlossen hatte, ließ er sich in dem Führer nochmals als Bühnenbildner präsentieren und vermehrte so die Zahl der Einträge. Nachzulesen sind seine früheren Engagements und Orte seiner Inszenierungen sowie die aktuelle Adresse (das Büro des Vaters), ergänzt durch ein Porträt Georg Salters von der prominenten Berliner Gesellschaftsfotografin Frieda Riess. Im Jahr von "Berlin Alexanderplatz" und "Ein Pfund Orangen" dürften sich seine Verleger S. Fischer oder G. Kiepenheuer über diesen Artikel gewundert haben.

 

Norbert Salter, The World Musical and Theatrical Guide, New York 1929Norbert Salter, The World Musical and Theatrical Guide, New York 1929