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Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


NS-Kulturbarbarei als Karriereschub. Das Beispiel Kurt Tillessen

Veröffentlicht am 08.01.2017

Während Georg Salter und zahlreiche weitere deutsche Kulturschaffende nach 1933 unter den Repressionen der Nationalsozialisten zu leiden hatten, profitierten andere, die politisch und "rassisch" den neuen Anforderungen genügten,  von Flucht und Vertreibung so vieler erstrangiger Dichter, Künstler und Musiker. Teils beteiligten sich die "arischen" Kulturschaffenden aktiv an der Ausgrenzung lästiger Konkurrenten, teils wurden sie ohne persönliche Schuld schlicht von der für sie zunächst stetig vorteilhafteren Situation von Angebot und Nachfrage begünstigt. Ob der Buchgestalter Kurt Tillessen (1899-1952) zur ersten oder zur zweiten Gruppe zählte, habe ich nicht erforscht. Klar ist indes, dass ihm etwa Georg Salters Verfemung unmittelbar nützte.

Tillessen hatte seine Karriere schon vor Beginn der NS-Diktatur begründet und zum Beispiel auch schon erste Bücher für S. Fischer gestaltet. Im selben Heft der Gebrauchsgraphik (August 1932), in dem H.K. Frenzel Georg Salter als aktuell wichtigsten Gestalter für den S. Fischer Verlag vorstellte, erschienen ohne begleitenden Text auch Abbildungen von Tillessens Entwürfen, unter anderem für den Fischer Verlag. Die Zäsur von 1933 schuf für Kurt Tillessen anschließend rasch erweiterte Möglichkeiten. Anstelle von Salter übernahm Tillessen ab 1934 die Buchgestaltung für die meisten Kiepenheuer-Titel, daneben war er nun in größerem Umfang für S. Fischer aktiv sowie für weitere Verlage, die vordem auch von Salter beliefert worden waren.

In manchen Fällen vollzog sich der Wechsel der Marken "Salter" zu "Tillessen" so bruchlos, dass es auf den ersten Blick schwer fällt, die beiden zu unterscheiden. Vereinzelt darf man wohl auch von einem Plagiat sprechen. Sehr enge Verwandtschaft zu einem fotomontierten Salter-Umschlag von 1931 zeigt zum Beispiel der 1933 publizierte Schutzumschlag Tillessens für einen Titel aus dem Universitas-Verlag.

 

Carlo Sforza, Gestalten und Gestalter. S. Fischer 1931. Entwurf Georg SalterCarlo Sforza, Gestalten und Gestalter. S. Fischer 1931. Entwurf Georg Salter

Roger Madol, Gespräche mit Verantwortlichen. Universitas 1933. Entwurf Kurt TillessenRoger Madol, Gespräche mit Verantwortlichen. Universitas 1933. Entwurf Kurt Tillessen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie so viele andere Themen auf dem Feld der Gebrauchsgraphik bieten Tillessens Werk und seine Rolle im sogenannten "Dritten Reich" noch reichlich Raum für weiterführende Forschungen.

Kurt Tillessen, in: Gebrauchsgraphik, H.8 (1932)Kurt Tillessen, in: Gebrauchsgraphik, H.8 (1932)