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Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


"Tiere sehen dich an". Die Karriere eines Buchtitels

Veröffentlicht am 06.06.2016

Mit dem 1928 im Reimer Verlag erschienenen Buch "Tiere sehen dich an" begründete der Tierzeichner und Buchhändler Paul Eipper einen neuen Typ des einfühlsamen, fotoillustrierten Tierbuchs und seinen Ruf als Erfolgsschriftsteller. Bis in die 1960er Jahre erschienen regelmäßig weitere Bücher mit einer Gesamtauflage von zuletzt rund zwei Millionen Exemplaren. Vor dem Durchbruch als freier Autor war Eipper Privatsekretär und kurze Zeit auch Verlagsdirektor bei Samuel Fischer. Es ist anzunehmen, dass er Georg Salter an Reimer empfahl. War doch "Tiere sehen dich an" nicht nur Eippers, sondern auch Salters erste Arbeit für diesen Verlag. Der nun lange Jahre für Reimers Fotobücher charakteristische gelbe Schutzumschlag darf als Salters innovativer Beitrag für den neuen Buchtyp und den visuellen Verlagsauftritt gelten. Während Eippers Buch schöne Tierfotografien Hedda Walthers enthielt, erschien unter eben dem Titel "Tiere sehen dich an" ein knappes Jahr später die Fotomontage hoher deutscher Militärs des Ersten Weltkriegs.

Das Blatt war das wohl umstrittenste Werk innerhalb des insgesamt viel diskutierten Buches "Deutschland, Deutschland über alles" von Kurt Tucholsky und John Heartfield. Wie wir heute wissen, hatte Heartfield die Montage nicht mit Tucholsky abgestimmt. Der distanzierte sich privat auch davon ("ich hätte das nie so formuliert", 1.3.1931 an Jakob Wassermann), zeigte sich in der Öffentlichkeit aber mit Heartfield solidarisch und schwieg dazu. Fünf Jahre später, bereits aus dem Exil, erschien mit "Nazi-Führer sehen dich an", eine weitere Anleihe an dem friedlichen Tierbuch Paul Eippers. Nun hatte Walter Mehring anonym 33 Biografien prominenter Nationalsozialisten veröffentlicht. Dass der Titel der Schmähschrift mit Eippers "Tieren" in Beziehung stand, war den Zeitgenossen zweifellos bewusst. Georg Salter hatte mit alledem freilich nichts mehr zu tun. Er durfte sich lediglich sagen, mit seiner Gestaltung 1928 zum Erfolg von Eippers Buch beigetragen und anschließend für denselben Autor und Verlag noch weitere schöne Bücher produziert zu haben.