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Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


Quellenzitate zur Geschichte des Schutzumschlags

 

Um 1930 hatte der Schutzumschlag als aufwändig gestaltetes Werbemittel noch keine lange Tradition. Georg Salters bedeutenden Anteil an der Entwicklung des Schutzumschlags von der grafisch oft nachlässig gestalteten Schutz-Verpackung zur attraktiven Verkaufshilfe haben schon Zeitgenossen klar erkannt. "Das moderne Buch", stellte ein Kulturredakteur des "Berliner Tageblatts" im Mai 1928 fest, wird heute mit Mitteln propagiert, die von denen der Vorkriegszeit wesentlich verschieden sind. Während früher nur das minderwertige Eintagsbuch eine sensationelle Aufmachung erhielt, hat jetzt auch das ernste und wertvolle Buch eine Propaganda erhalten, die ... dem Buch selbst ... in seiner äußeren Ausstattung ein zum Kauf reizendes Äußeres gibt. ... Allgemein hat sich jetzt bei allen Verlagen der sogenannte Schutzumschlag in allen Variationen der Photomontage als Hauptpropagandamittel durchgesetzt." (Berliner Tageblatt Nr. 242 v. 24.05.1928)

Freilich war die Aufwertung des Schutzumschlags keineswegs unumstritten. Recht typische Argumente eines konservativen "Bücherfreundes", eines nicht näher bekannten Theodor Hüpgens, druckte im Dezember 1934 zum Beispiel der "Hamburger Anzeiger" unter der Überschrift "Wozu der Pomp mit dem Schutzumschlag?":

"Ein wesentlicher Bestandteil des Buches ist heute der Schutzumschlag. Man kann das, ohne ernstlichen Widerspruch befürchten zu müssen, aussprechen und hat damit auf einen Unsinn hingewiesen. Denn eine Sache, die ihrer Bestimmung gemäß dazu da ist, zu schützen, kann nur eine zufällige Zugabe sein, mag es sich um eine Hutschachtel oder die Holzverpackung eines Klaviers handeln. Wie verhält es sich mit dem Schutzumschlag des Buches? Darf man behaupten, dass der Bücherfreund ihn sofort entfernt und in den Papierkorb steckt. Man darf es. Ja, aber hat dann die Mühe des Zeichners, Graphikers, Malers, Buchkünstlers gelohnt?  ...

Hamburger Anzeiger Nr. 299 v. 22./23.12.1934Hamburger Anzeiger Nr. 299 v. 22./23.12.1934

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass der Schutzumschlag in der Regel mehr Aufmerksamkeit und Eifer erfährt als der Einband, gilt heute mehr denn je. Im Gegensatz zu den meisten Menschen um 1930 betrachten wir den Umschlag inzwischen jedoch weniger als Teil der Verpackung, sondern als selbstverständlichen Bestandteil des Buches und bewahren ihn im Bücherregal. Hinsichtlich des Werts von Schutzumschlägen schon damals ganz anderer Ansicht als Herr Hüpgens war zum Beispiel der Mannheimer Buchhändler Curt Tillmann, der Schutzumschläge in großem Stil sammelte (S. Curt Tillmann: Über das Sammeln von Buchumschlägen, in: Zeitschrift für Bücherfreunde 37, H.1 (1933), S.1-4. Mit einem beigelegten vollständigen originalen Schutzumschlag Georg Salters für Joseph Roths "Radetzkymarsch" (2. Fassung)).

Auch das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe hielt die Entwicklung des Schutzumschlags für so bedeutsam, dass es 1936 eine Sammlung ausstellte. "Die paradoxe Aufgabe des Schutzumschlags ist es, sich recht bald überflüssig zu machen", notierte eine Ausstellungskritik im "Hamburger Anzeiger". "Sobald er den Käufer angelockt und dieser das Buch ausgewickelt hat, wandert der Umschlag in den Papierkorb. Aber es würde sehr reizvoll sein, sich eine solche Sammlung von Schutzumschlägen anzulegen, statt sie den Weg alles Vergänglichen wandern zu lassen. ... Mit Erstaunen gewahrt der Besucher, welch eine hohe Kultur der Schutzumschlag in Deutschland erreicht hat. ... Die Verleger guter Bücher haben mit seltener Einhelligkeit Wert darauf gelegt, die Schutzhüllen ihrer Verlagswerke von ersten deutschen Künstlern entwerfen zu lassen. ... So gehört der Schutzumschlag gewöhnlich viel enger mit dem Buch zusammen, als viele Bücherkäufer ahnen. Sie sollten daher dem Umschlag einen Ehrenplatz in einer Mappe oder Schatulle der Bibliothek einräumen." (Hamburger Anzeiger Nr. 178 v. 01./02.08.1936)

Schutzumschläge alten und neuen Typs ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... und die dazugehörigen Einbände.

Gestaltung von Hans MeidGestaltung von Hans Meid

Gestaltung von Georg SalterGestaltung von Georg Salter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Einbände zeigen einen unveränderten Charakter, die Umschläge unterscheiden sich dagegen deutlich.