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Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


 Zeitgenössische Kritiken

 

Nach dem Schutzumschlag für Döblins "Berlin Alexanderplatz" (1929) und rasch folgenden weiteren spektakulären Entwürfen war Georg Salter so populär, dass er mehrfach eingehend in der Fachpresse gewürdigt wurde. Bis zu seiner Emigration im Herbst 1934 erschienen folgende wichtige Veröffentlichungen:

  • Eberhard Hölscher: Georg Salter, in: Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik 67, H.9 (1930),  36 S. (Deutsche Buchkünstler und Gebrauchsgraphiker der Gegenwart). Auch als Sonderdruck erschienen. Mit 16 Abbildungen und 13 montierten originalen Umschlagfrontseiten. Typographie und Umschlag des Sonderdrucks nach Entwurf Georg Salters.

"Für Salter ist der Schutzumschlag mit die stärkste Waffe im gegenseitigen Konkurrenzkampf des Verlagswesens. Ein guter Schutzumschlag darf nicht banal sein, er muß im Schaufenster wirken. Er muß auffallen. Aber er muß wie ein gutes Einwickelpapier stets in innerer Beziehung zur angebotenen Ware stehen. Wie bei einem solchen Einwickelpapier aber üblich, hat auch der Käufer das Recht, den Umschlag aufzubewahren oder fortzuwerfen. Das ist an sich gleichgültig. Er muß das Buch ja zuvor gekauft haben. Damit hat der Umschlag seine eigentliche Aufgabe restlos erfüllt."

  • Hermann K. Frenzel: Georg Salter, in: Gebrauchsgraphik 9, H.8 (1932), S.2-9. Mit 19 Abbildungen von Umschlägen, darunter 7 in Farbe.

"Georg Salter hat in der Hauptsache das neue Gesicht des Buchgewandes für den S. Fischer Verlag in Berlin bestimmt. Er hat sich hierbei aller Mittel der modernen Graphik mit besonderem Geschick bedient."

  • Hans H. Bockwitz: Neue Arbeiten von Georg Salter, in: Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik 69, H.4 (1932), S.186-191. Mit montierter originaler Umschlagfrontseite von Raabes "Chronik der Sperlingsgasse" und zwei weiteren Abbildungen aus dem Buch.

Bericht über eine kleine Ausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum, dessen Leiter Hans Bockwitz war.

  • Curt Tillmann: Über das Sammeln von Buchumschlägen, in: Zeitschrift für Bücherfreunde 37, H.1 (1933), S.1-4. Mit dem beigelegten vollständigen originalen Schutzumschlag Georg Salters für Joseph Roths "Radetzkymarsch" (2. Fassung).
  • Eberhard Hölscher: Der Schutzumschlag, in: Klimschs Jahrbuch des graphischen Gewerbes 27 (1934), S.44-60. Mit jeweils einer montierten originalen Umschlagfrontseite von Georg Salter für einen Band der vierbändigen Sonderausgabe von Fontanes Meisterromanen (Umschlag in den einzelnen Exemplaren wechselnd).

Mit mehreren lobenden Erwähnungen Georg Salters.

  • Hans H. Bockwitz: Junge deutsche Buchkünstler, in: Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik 71, H.11 (1934), S.699-784, 701.

                Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Reihe "Deutsche Buchkünstler und Gebrauchsgraphiker" innerhalb der Zeitschrift                 Nennung der entsprechenden Salter-Beilage 1930. Seine auffallend knappe, eher pflichtschuldige Berücksichtigung wie der                 ganz im Stil der "neuen Zeit" gestaltete Umschlag des Hefts  über die "jungen deutschen Buchkünstler" markieren, dass für                 Salters Arbeiten in Deutschland offensichtlich kein Raum mehr war.

 

Die erste Würdigung nach Ankunft in den Vereinigten Staaten erfuhr Georg Salter bereits im Mai 1935:

  • N.G.H., Salter, in: Advertising Arts, H.3 (1935), S. 34-36. Mit zehn Schwarzweißabbildungen von Schutzumschlagfrontseiten.

                "Some day american design will spread [...] until its influence is as worldwide as our movies and our jazz. At present,                 however, we are still being enriched by artists from abroad - adding to that long list of Bernhard, Urban, Agha, Kiesler,                 Brodovitch  - the name of Georg Salter".

                Autor des Beitrags war vermutlich der amerikanische Designer Nathan George Horwitt (1898-1990), der zum selben Heft mit                 vollem Namen noch einen anderen Beitrag beisteuerte.

                Salters erste Vorstellung erfolgte so frühzeitig, ein halbes Jahr nach seiner Ankunft, dass sieben von zehn gezeigten                 Arbeitsproben aus der Berliner Produktion stammen mussten. Ausreichende Belege aus den ersten New Yorker Monaten                 waren schlicht noch nicht vorhanden. Bereits in den ersten Arbeiten signierte Salter ohne den abgekürzten Vornamen, behielt                 aber noch die Druckschrift bei. Später sollte er zu einer Schreibschrift wechseln.

  • Robert Leslie: Georg Salter. An Appreciation, in: PM (Production Manager) 2, H.1 (=September 1935), S.16 u. 24. Mit einem Porträt Salters von Alfred Cohn und vier farbigen Abbildungen von Schutzumschlagfrontseiten.

"If you happen to have traveled abroad during the last ten years or so, you perhaps noticed that the displays in the show windows of bookshops, in Germany and Austria particularly, were extraordinarily colorful and interesting - much more so than similar exhibits in the United States. The chances are (high) that a number of the jackets in the displays that attracted you most were designed by Georg Salter, the German artist whose work is reproduced in this month's color insert."

Robert Leslie (1885-1983) war Anfang der 1930er Jahre "American editor" der Zeitschrift "Gebrauchsgraphik" und hatte PM gegründet. Für die europäischen EmigrantInnen der Grafikdesign-Branche waren Leslie und PM wichtige Türöffner in der neuen Umgebung: "That magazine became the means by which I could take care of all the emigres who were flocking here from France, Italy , Germany and even England", erinnerte sich Leslie 1981. "My office was turned into a complete bureau for helping the dispossessed, not only financially and morally but wherever possible aiding them to locate jobs." In der PM-Ausgabe vom Februar 1936 erschien eine weitere Kurznotiz über Salter (Ausstellungshinweis), für die Ausgabe vom Mai 1936 durfte Georg Salter das Cover produzieren. Viele weitere Informationen über Robert Leslie und PM bietet die Website von Erin K. Malone.

Während Salter in den Vereinigten Staaten hoch geschätzt und viel beschäftigt war, tilgte man in Deutschland sein Andenken. In einem Beitrag zur Geschichte des Schutzumschlags aus dem Jahr 1939 kamen noch Hans Meid oder Emil Rudolf Weiß (Salters Kollegen bei S. Fischer), aber nicht mehr Georg Salter zur Sprache - in derselben Zeitschrift, die Salters Arbeit einst regelmäßig begleitet hatte.

  • Walter Hofmann: Der Buchumschlag und seine Geschichte, in: Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik 76, H.11 (1939), S.585-588. Mit 25 Abbildungen, darunter 11 montierte originale Umschlagfrontseiten.

"Die Entwicklung des modernen Buchumschlages begann um 1920, in einer Zeit politischer und künstlerischer Verwirrung. Die innere Buchgestaltung blieb bis auf geringe Ausnahmen von den Einflüssen dieser Zeit frei. [...] Dagegen machten sich die grellen gelben, blauen und roten Farbklänge und gewagten Zeichnungen des Expressionismus auf dem Buchumschlag eine Zeitlang sehr bemerklich. [...] Daneben entstanden Buchumschläge, die trotz Verzicht auf laute Gestaltungsmittel allein durch ihre inneren künstlerischen Spannungen Werbekraft erhielten. (Abbildung 11 von E.R. Weiß). Dieser Künstler hat auf dem Gebiet des Buchumschlages Hervorragendes geleistet. Seine Gestaltungen sind Kunstblätter, die jeden Liebhaber guter Graphik erfreuen. Neben Weiß hat Hans Meid, Berlin, seine besonderen Verdienste um die künstlerische Entwicklung des Buchumschlages."