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Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


Georg Salter und Ernst Reichl. Zeugnis einer Freundschaft

Veröffentlicht am 01.09.2014

Nach seiner Ankunft in New York im November 1934 erhielt Georg Salter den ersten Arbeitsplatz bei der H. Wolff Book Manufacturing Company auf Empfehlung von Ernst Reichl (1900-1980). Salter und Reichl wurden rasch gute Freunde. Der Leipziger Ernst Reichl war als Dr. phil. mit Anfangserfahrungen im Grafikdesign bereits 1926 in die Vereinigten Staaten gekommen und später Stefan Salter, Georgs jüngerem Bruder, begegnet. Er kannte Georg Salters Arbeit zweifellos schon vor dessen Eintreffen. In den USA ist er bis heute vor allem als "The Man Who Designed Ulysses" berühmt, als Gestalter der amerikanischen Erstausgabe des Romans von James Joyce (1934). Im selben Jahr hatte Reichl auch einen Umschlag für William Saroyans Kurzgeschichtensammlung "The Daring Young Man on the Flying Trapeze" entworfen,  der frappierend an einen großartigen Schutzumschlag Georg Salters aus dem Jahr 1929 erinnert:

Salter 1929 und Salter-Reichl 1934Salter 1929 und Salter-Reichl 1934Ist das nun ein Plagiat? Wohl nicht im strengen Sinn der stillschweigenden Anmaßung einer fremden geistigen Leistung. Zwar wurde "The Daring Young Man" schon am 15. Oktober 1934 ausgeliefert, also bevor Georg Salter amerikanischen Boden betrat, jedoch könnte es durchaus schon im Rahmen der langwierigen Ausreisebemühungen Salters zwischen ihm und Reichl briefliche Kontakte gegeben haben (das lässt sich vielleicht in Ernst Reichls Nachlass oder in den Nachlassteilen Georg Salters noch nachweisen). Jedenfalls ist es nicht zulässig, die ebenso unkonventionelle wie professionelle Mischung ganz unterschiedlicher Schriftarten als Ernst Reichls Idee zu bezeichnen (so z.B. in Drew/Sternberger, By its cover. Modern american book cover design, 2005, S.31: "An even more remarkable playful manipulation of typography is his Daring Young Man ..."). Es fällt auf, dass Reichl selbst Salters Lieblingskomplementärfarbenpaar Blau-orange übernahm und auch die Signatur an einer identischen Stelle angebracht ist.

Mir zeigt der Fall noch ein zweites: Den häufig beschriebenen feinen Charakter Salters und eine beachtliche Großzügigkeit. Nicht zuletzt wohl aus Leidenschaft für die gemeinsame Sache, eventuell auch aus Dankbarkeit für Ernst Reichls Hilfe, konnte er dem Freund die geistige Anleihe offensichtlich gönnen. Wie fast alle erfolgreichen Kreativen hatte Salter freilich auch unter ganz eindeutigen Plagiaten Unbekannter zu leiden. Ein besonders interessantes Beispiel präsentiere ich in einem der nächsten Posts.

1935 konnte Ernst Reichl übrigens in gewisser Weise dem Freund wieder etwas zurückgeben, als Georg Salter in der Septemberausgabe des PM Magazine der amerikanischen Fachwelt vorgestellt wurde. Der kunstvolle Umschlag zu dieser Ausgabe stammte von Ernst Reichl.