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Georg Salter

Buchdesigner in Berlin, 1922 - 1934

 


Einer der Schönsten der Schönen. Georg Salters Umschlag für John Dos Passos' "Der 42. Breitengrad" (1930)

Veröffentlicht am 05.06.2017

John Dos Passos (1896-1970), einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen literarischen Moderne, war spätestens seit der Übersetzung von "Manhattan Transfer" (1927) auch unter deutschen Leserinnen und Lesern populär. Der S. Fischer Verlag zögerte nach der Publikation von "Manhattan Transfer" daher nicht, die beiden ersten Romane der USA-Trilogie des Autors, eines Sittengemäldes der amerikanischen Gesellschaft der Jahre 1890 bis 1930, ebenfalls unter Vertrag zu nehmen. 1930 erschien die Übersetzung von "The 42nd Parallel" im 1.-8. Tsd., 1932 noch "1919" unter dem Titel "Auf den Trümmern" in 5.000 Exemplaren. Der dritte Teil, "The Big Money" ("Die Hochfinanz") konnte infolge der NS-Diktatur dagegen erst 1962 in deutscher Erstausgabe erscheinen. Beim "42. Breitengrad" entwarf Georg Salter nicht nur Einband und Schutzumschlag, sondern gestaltete auch eigens die zweifarbig gedruckte Titelseite. Wenngleich das Buch nicht unter die "fünfzig schönsten Büchern" des Jahres 1930 gelangte, ist es mit Recht seitdem immer wieder als eine von Salters schönsten Arbeiten gelobt worden.

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Blitzstart in Amerika. Salters Vorstellung in "Advertising Arts", Mai 1935

Veröffentlicht am 12.05.2017

Nachdem er von Mai 1933 bis Oktober 1934 zunehmend beschäftigungslos in Baden-Baden ausgeharrt hatte, konnte Georg Salter in die Vereinigten Staaten ausreisen. Durch die Unterstützung von Bruder Stefan sowie Freunden und Kennern seiner Arbeit gelang Salter in der Emigration ein außerordentlich erfolgreicher Start. "Ich kam hier an und war, ganz gegen meiner Absicht und Erwartungen, begeistert, sowie ich New York von der Ferne sah", erinnerte sich Salter 30 Jahre später in einem Brief an Joseph Breitbach. "Das hat sich nie verändert. Die Verleger hier waren außerordentlich nett zu mir. Meine Ankunft war an einem Freitag. Am nächsten Montag fing ich an zu arbeiten. Einen Tag später hatte ich zehn Aufträge von Simon und Schuster. Knopf und andere Verleger kamen nach etwa einem Monat dazu."

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24 neue deutsche Erzähler. Ein "Salter" für drei deutsche Staaten

Veröffentlicht am 22.04.2017

Es ist gewiss nicht der geringste Beleg für die besondere Qualität von Georg Salters Buchgestaltung, dass seine Entwürfe bis heute vielfach für Neudrucke der entsprechenden Werke herangezogen werden. Ausgaben von Kafkas "Prozess", von Döblins "Berlin Alexanderplatz" oder von einer Neuauflage aus der Reihe "Außenseiter der Gesellschaft" - sie alle gibt es mit Reprints von Salters Einbänden und Schutzumschlägen. Ebenfalls in diese Kette gehört die Anthologie "24 neue deutsche Erzähler", die erstmals 1929 in Salters bevorzugter Farbkombination blau und orange im 1.-5. Tsd. im Verlag Kiepenheuer erschien. Mit Beiträgen von Joseph Roth, Anna Seghers, Ernst Glaeser, Erich Kästner, Ernst Toller, Ludwig Renn, Ödön von Horvath, Marieluise Fleißer u.a. ist das von Hermann Kesten zusammengestellte Buch ein bedeutendes Dokument der Literatur der Neuen Sachlichkeit.

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"Der Traum vom großen Glück". Die letzten Arbeiten für den S. Fischer Verlag

Veröffentlicht am 14.02.2017

"Lügen über Russland" (Liam O'Flaherty), "Das Leben geht weiter" (Hans Keilson), "Blick vorwärts. Das Programm einer nationalen und sozialen Revolution. Das amerikanische Programm zur Lösung der Weltprobleme" (Franklin D. Roosevelt), "Der Traum vom großen Glück" (Richard Huelsenbeck). Wenn man's nicht besser wüßte, könnte man annehmen, der S. Fischer Verlag habe mit diesen bezeichnenden Buchtiteln des Jahres 1933 gezielt kritisch auf die nationalsozialistische Propaganda reagiert. Dass keiner der genannten Titel des jüdischen Verlags den Nationalsozialisten gefiel, ist sicher. Durch die bald folgenden Verbote und die durch die Wirtschaftskrise verursachten geringen Auflagen vieler Neuerscheinungen, sind die meisten Bücher der Jahreswende 1932/33 heute besonders selten. Nicht wenige Titel der Herbst- und Frühjahrsproduktion hat noch Georg Salter gestaltet, wenngleich er bereits nicht mehr bei jedem als Designer genannt ist.

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NS-Kulturbarbarei als Karriereschub. Das Beispiel Kurt Tillessen

Veröffentlicht am 08.01.2017

Während Georg Salter und zahlreiche weitere deutsche Kulturschaffende nach 1933 unter den Repressionen der Nationalsozialisten zu leiden hatten, profitierten andere, die politisch und "rassisch" den neuen Anforderungen genügten,  von Flucht und Vertreibung so vieler erstrangiger Dichter, Künstler und Musiker. Teils beteiligten sich die "arischen" Kulturschaffenden aktiv an der Ausgrenzung lästiger Konkurrenten, teils wurden sie ohne persönliche Schuld schlicht von der für sie zunächst stetig vorteilhafteren Situation von Angebot und Nachfrage begünstigt. Ob der Buchgestalter Kurt Tillessen (1899-1952) zur ersten oder zur zweiten Gruppe zählte, habe ich nicht erforscht. Klar ist indes, dass ihm etwa Georg Salters Verfemung unmittelbar nützte.

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Erfolgreiche Selbstvermarktung - bis nach Großbritannien

Veröffentlicht am 11.12.2016

Mit spektakulären Entwürfen wie für "Berlin Alexanderplatz" oder "Ein Pfund Orangen" hatte sich Georg Salter um 1930 nach wenigen Berufsjahren zu einem der bekanntesten deutschen Buchgestalter entwickelt.  Diese beachtliche Karriere wurde durch regelmäßige Aufträge für die wichtigsten bürgerlichen Verlage (v.a. G. Kiepenheuer und S. Fischer) und entsprechend bedeutende Autorinnen und Autoren (wie Joseph Conrad, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann oder Jakob Wassermann) begünstigt, nicht zuletzt aber auch durch eine geschickte Selbstvermarktung. Obwohl als Persönlichkeit wohl eher schüchtern, achtete Salter beruflich darauf, seine Umschläge möglichst zu signieren. Zusätzliche Bekanntheit bescherte ihm seine Lehrtätigkeit an der "Höheren Graphischen Fachschule" sowie die auffallend häufige Erwähnung in Fachbüchern und -zeitschriften. Einen ersten Höhepunkt markierte hier der ausführliche Beitrag Eberhard Hölschers in der Zeitschrift "Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik" mit farbigen Originalbeispielen seiner Schutzumschläge (1930).

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1921. Salters erster Schutzumschlag

Veröffentlicht am 05.11.2016

Noch während er hauptberuflich als Bühnenbildner arbeitete, unterstützte Georg Salter seine Familie zunehmend bei Buchdesign und Werbung für den Verlag "Die Schmiede".  Seine frühesten buchgestalterischen Arbeiten sind teils deutlich vom seinerzeit herrschenden Expressionismus geprägt und mit einiger Fantasie auch als Theaterkulissen denkbar. Sie betrafen zum Beispiel Joseph Roths ersten Roman "Hotel Savoy" (1924), Yvan Golls Sammelband "Der Eiffelturm" (1924) oder Hermann Kasacks Erzählung "Die Heimsuchung" (1922). Die Neuauflage der "Heimsuchung" galt bislang als Salters erstes Werk. Nun ist indes vor kurzem der signierte Umschlag zu einem Notendruck aufgetaucht, den Salter bereits 1921, mit 24 Jahren, entworfen hat. Das Werk erschien nicht im Verlag "Die Schmiede", sondern im Selbstverlag von Norbert Salter, und ist damit ein weiteres Beispiel für die tatkräftige Unterstützung der Musikagentur und die enge Verbundenheit mit der Welt des Vaters.

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Georg Salter beim Querido Verlag. Ein kurzes Intermezzo

Veröffentlicht am 18.09.2016

"Der Ausstattung der Bücher [bei Querido] wurde große Aufmerksamkeit gewidmet. [...] Der deutsche Verlag [...] wollte ihm nicht nachstehen. Meine ursprüngliche Absicht war es, unseren langjährigen künstlerischen Berater bei Kiepenheuer, Georg Salter, wiederzugewinnen. In der Tat hat er auch den Umschlag für 'Die Sammlung' entworfen. Er wanderte dann aber auf Einladung von H. Wolff, dem Inhaber einer der bedeutendsten Druckerei- und Bindereibetriebe [...] in New York [...] , nach den USA aus und machte sich dort sehr schnell einen großen Namen." (Fritz H. Landshoff, Erinnerungen eines Verlegers, Berlin und Weimar 1991, S.90)

Mit diesen Erinnerungen Fritz Landshoffs ist für Kenner des Buch- und Verlagswesens um 1930 eigentlich bereits alles gesagt. Fritz Helmut Landshoff war Miteigentümer des Kiepenheuer-Verlags gewesen und hatte nach dem Ende dieses Verlags und persönlicher Verfolgung in Deutschland mit dem niederländischen Verleger Emanuel Querido eine Tochtergesellschaft für deutschsprachige Exilliteratur gegründet. Der Querido-Verlag N.V. wurde der wichtigste Publikationsort des deutschen Exils.

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In der Welt des Vaters. Georg Salter, Stage-Architect

Veröffentlicht am 31.08.2016

Georg Salters Vater Norbert (Wien 1868-1935) hatte ursprünglich eine Karriere als Cellist verfolgt (unter anderem als Solo-Cellist des Städtischen Theaters in Bremen), bevor er sich auf der Basis der dabei entstandenen Kontakte zu einem international sehr erfolgreichen Konzert- und Theateragenten entwickelte. Durch den mangelnden wirtschaftlichen Erfolg des Schmiede-Verlags befand sich die Familie Salter um 1928 freilich in großer finanzieller Bedrängnis. Wegen Geldmangels konnten geplante Reisen nicht unternommen werden, obendrein sah sich Norbert Salter sogar gezwungen, beim Autographenhändler Henrici seine persönlichen Korrespondenzen mit Gustav Mahler und Max Reger versteigern zu lassen. Die Veröffentlichung eines "World Musical and Theatrical Guide, Edition 1929" durch Norbert Salter ist in diesem Kontext zu sehen.

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Ein unermüdlicher Arbeiter. Anzeigenwerbung von Salter

Veröffentlicht am 14.08.2016

Wer sich intensiver mit Georg Salter beschäftigt, wird sich regelmäßig über dessen enorme Schaffenskraft wundern. Angesichts seines umfangreichen Werks entsteht der Eindruck, dass Salter nahezu pausenlos gearbeitet haben muss. Als er noch hauptsächlich als Bühnenbildner tätig war, half er der Familie bereits mit zahlreichen Entwürfen für den Verlag "Die Schmiede". Anschließend lieferte er nicht nur Einbände und Schutzumschläge für über 30 Verlage, sondern nahm sich obendrein Zeit, Prospekte und Anzeigen zu gestalten - für Verlage, gelegentlich aber auch noch für andere Branchen. Sind die Verlagsprospekte und Bucheinleger aus Salters Hand schon recht schwer zu überschauen und nicht immer eindeutig zuzuweisen, gilt dies für Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften noch weit mehr. Ein einigermaßen befriedigendes Bild ergäbe wohl erst eine systematische Durchsicht wichtiger Periodika wie des "Börsenblatts für den Deutschen Buchhandel", der "Literarischen Welt" und ähnlicher Titel.

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